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Versorgungsamt & Pflegekasse

Ablehnung Pflegegrad

Ein abgelehnter Pflegegrad fühlt sich oft ungerecht an, besonders wenn im Alltag spürbar Unterstützung fehlt. Du bist mit dieser Entscheidung nicht machtlos – ein Widerspruch lohnt sich in vielen Fällen.

Was bedeutet das?

Der Ablehnungsbescheid kommt von deiner Pflegekasse und bedeutet, dass der Gutachter des Medizinischen Dienstes (MD) oder von Medicproof bei der Begutachtung nicht genügend Punkte für die Einstufung in einen Pflegegrad festgestellt hat. Grundlage ist das sogenannte Neue Begutachtungsassessment (NBA), bei dem Selbstständigkeit in sechs Lebensbereichen bewertet wird. Häufige Gründe für eine Ablehnung sind, dass der Gutachter den Unterstützungsbedarf an einem einzelnen Tag anders einschätzt als der tatsächliche Alltag, oder dass wichtige Beeinträchtigungen beim Termin nicht zur Sprache kamen. Eine Ablehnung bedeutet nicht, dass gar keine Beeinträchtigung vorliegt, sondern dass die Punkteschwelle für einen Pflegegrad aus Sicht des Gutachters nicht erreicht wurde.

Was solltest du jetzt tun?

  1. 1Fordere das vollständige Gutachten bei der Pflegekasse an, falls es dem Bescheid nicht beilag
  2. 2Vergleiche die Einschätzungen im Gutachten mit dem tatsächlichen Alltag – wo weicht es ab?
  3. 3Führe für einige Tage ein Pflegetagebuch, um den Unterstützungsbedarf konkret zu dokumentieren
  4. 4Lege innerhalb der Frist schriftlich Widerspruch ein und begründe ihn mit den dokumentierten Abweichungen
  5. 5Ziehe bei Bedarf eine unabhängige Pflegeberatung oder einen Sozialverband zur Unterstützung hinzu

Welche Fristen gelten?

Für den Widerspruch gegen die Ablehnung hast du in der Regel einen Monat Zeit ab Zustellung des Bescheids. Diese Frist steht in der Rechtsbehelfsbelehrung am Ende des Schreibens und sollte unbedingt eingehalten werden.

Was passiert, wenn du nicht reagierst?

Ohne fristgerechten Widerspruch wird die Ablehnung bindend und du müsstest einen kompletten neuen Antrag stellen, was erneut Wochen bis Monate dauern kann. In dieser Zeit fehlen dir dann möglicherweise wichtige Leistungen wie Pflegegeld oder Unterstützung bei Pflegehilfsmitteln.

Häufige Fragen

Wie hoch sind die Erfolgschancen bei einem Widerspruch gegen die Ablehnung eines Pflegegrads?

Die Erfolgschancen hängen stark vom Einzelfall ab, viele Widersprüche mit guter Begründung und aktuellen Nachweisen führen aber zu einer erneuten Begutachtung oder einer Korrektur der Einstufung. Ein Pflegetagebuch und ärztliche Unterlagen erhöhen die Chancen erfahrungsgemäß deutlich.

Was ist ein Pflegetagebuch und wie hilft es beim Widerspruch?

In einem Pflegetagebuch notierst du über mehrere Tage, wobei und wie lange Unterstützung im Alltag nötig ist, etwa beim Waschen, Anziehen oder bei der Orientierung. Es zeigt dem Gutachter oder der Kasse konkret, wo der tatsächliche Bedarf höher liegt als im ursprünglichen Gutachten angenommen.

Kann ich nach einer erneuten Ablehnung noch etwas tun?

Ja, wird auch der Widerspruch abgelehnt, kannst du innerhalb der genannten Frist Klage beim Sozialgericht erheben, was für dich in der Regel kostenfrei ist. Eine Beratungsstelle oder ein Fachanwalt für Sozialrecht kann dir dabei helfen einzuschätzen, ob sich dieser Schritt lohnt.

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Dieser Artikel bietet allgemeine Informationen und ersetzt keine individuelle Rechtsberatung. Bei rechtlich relevanten Schreiben empfehlen wir zusätzlich einen Fachanwalt oder eine Beratungsstelle.